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Papageienatrium
Letztes Update:
Jan 2014

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 Naturbrut und Handaufzucht von Papageien

Hier soll gezeigt werden, was alles bei einer Handaufzucht zu beachten ist.
Einige Gefahren und Probleme sollen aufgezeigt werden.
Handaufzucht von Papageien ist ein umstrittenes Thema.
Einerseits wollen viele Halter einen handaufgezogenen Papagei, der sehr zahm und anhänglich ist.
Andererseits wird von vielen die Fehlprägung bemängelt, die dann zu Verhaltensstörungen führen kann.
Anzumerken ist auf jeden Fall, dass es uns als wichtig erscheint, nicht ab dem Ei Handaufzucht zu betreiben, sondern die Jungen in den ersten Wochen bei den Eltern aufwachsen sollten.
Dies ist wichtig für die Prägung der Vögel, außerdem erleichtert es die Handaufzucht, da später nicht mehr in der Nacht zugefüttert werden muss.
Handaufzucht, die nur wegen finanzieller Hintergründe durchgeführt wird, oder den Vögeln die Eier schon im Nest weg zu nehmen, um das Paar zu einer zweiten Brut zu führen, lehne ich grundsätzlich ab, da eine Naturbrut immer noch die “gesündeste” Aufzucht ist. Es ist auch noch nicht geklärt, ob Handaufzuchten anfälliger gegen Krankheiten sind als Naturbruten.

Handaufzucht von Papageien kann aus verschiedenen Gründen notwendig werden.

Gründe für eine Handaufzucht können sein:
 Die Eltern füttern die Jungen nicht  oder nur teilweise
Die Eltern verletzen oder rupfen die Jungvögel
 Ein Elterntier verstirbt und die Aufzucht ist nicht gewährleistet
 Ein Gelege hat viele Jungtiere, so dass die Eltern nicht alle Jungen aufziehen können
 Es werden zahme Jungtiere gewünscht
 Bei seltenen Arten, wenn durch Umwelteinflüsse, z.B. Kälte, die Eltern das Gelege oder die Jungen verlassen
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Was braucht man alles für eine Handaufzucht?
Handaufzuchtfutter: es gibt gute Fertigmischungen, die aber nicht so billig sind.
Spritze oder gebogener Löffel ( ich selber verwende eine Spritze)
kl. Schüssel oder Glas (mikrowellengeeignet)
Küchenrolle oder WC-Rolle, um die Jungen zu reinigen
Mixer (nicht unbedingt, aber wenn die Jungen größer werden, um z.B. Obst zum Brei zu mischen)
Waage zur Gewichtskontrolle (mit Grammanzeige)
Mikrowelle ( zum Erwärmen, aber Vorsicht führt schnell zu Verbrennungen)

Zubehör

Genauere Beschreibung:

Beim Futter für die Handaufzucht ist von Eigenmischungen abzuraten, die richtige Zusammensetzung wäre meist nur schwer herzustellen. Am geeignetsten sind extra Produkte zur Handaufzucht von Papageien (z.B. Nutribird,..). Wenn Sie dieses Futter nicht im Zoofachhandel oder bei Züchtern in der Nähe auftreiben können, wenden Sie sich an uns (Kontakt). Zum Überbrücken kann eingeweichter Zwieback oder eingeweichte Semmel hilfreich sein, allerdings ist dies auf Dauer nicht ratsam, da die Inhaltstoffe nicht ausgewogen und auf die Bedürfnisse der Vogelkinder abgestimmt sind.
D er Aufzuchtbrei muss vor jeder Fütterung neu gemischt werden, da er sehr schnell verdirbt.
Bei sehr jungen Küken oder bei Vögeln kleinerer Arten empfiehlt es sich, das Futter eher flüssiger als zu fest anzurühren. Abgekochtes Wasser oder ein Tee (z.B. Fencheltee) wäre zum Anrühren geeignet. Die Temperatur sollte hierbei bei etwa 38-39 Grad haben, da zu kaltes Futter zu Verdauungsstörungen führen kann oder Futter, das zu heiss ist, zu Verbrennung im Kropf, was tödlich enden kann, führt. Wird eine Mikrowelle verwendet, muss auf Hitzenester geachtet werden. Mit dem Handrücken lässt sich die Temperatur schon mal ganz gut vortesten, zuverlässiger ist aber ein Thermometer.
Jungtiere, die vom Ei an aufgezogen werden, müssen anfangs ca. alle 1-2 Stunden gefüttert werden, später beträgt der Abstand zwischen den Fütterungen meist 3-4 Stunden. Man sollte den Kropf des Vogels abtasten, um den richtigen Fütterungszeitpunkt zu bestimmen, denn Futterreste können im Kropf schlecht werden und zu Kropfentzündungen führen, da schlecht gewordenes Futter säuern kann. Diese Säuerung ist dann recht agressiv und belastet den Jungvogel sehr stark.
Zur Fütterung verwenden ich am liebsten eine Einlaufspritze, bei älteren Tieren kann ein zurechtgebogener Löffel eingesetzt werden, was ich allerdings nicht mache, da ich bis zum Selbständigwerden die Spritze verwende. Betreffend der Futtermenge sollte man auf den Kropf des Vogels achten und nicht den Kropf zu voll zu füttern, denn dies kann zu einer Überdehnung desselben führen, lieber kleinere Mengen und dafür öfter ist meine Devise.
Nach jeder Fütterung müssen die Küken selbst und alles, was verwendetet wurde, einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Hierbei ist, wie überhaupt bei der ganzen Handaufzucht, auf peinliche Hygiene zu achten, da die Abwehr von Vogelkindern nicht sehr groß ist. Abkochen der verwendeten Futterspritze ist nach jeder Fütterung anzuraten, manche verwenden nach jeder Fütterung eine neue Spritze, dies finde ich aber nicht notwendig. Hilfreich für die Sauberhaltung der Küken kann eine Halsmanschette bei der Fütterung sein, die nach der Fütterung einfach wieder entfernt wird.
Die Verdauung bereitet vor allem bei frisch geschlüpften Küken öfters Sorgen. Fenchelkümmeltee leistet hier immer wieder gute Dienste, wenn es um das Anregen der Verdauung geht, auch eine Massage kann hier sehr viel helfen. Darmbakterien sind leider nicht jedem Handaufzuchtfutter zugesetzt und müssen dann dem Futter zugesetzt werden, bitte also genau die Zusammensetzung anschauen. Dies ist besonders bei sehr jung begonnener Handaufzucht notwendig, da ansonsten die Vogeleltern die Darmbakterien bei der Fütterung übergeben.
Je nach Art sollten nach einigen Wochen vermehrt Futtersaaten, Körner, Obst und Gemüse angeboten werden. Viele Tiere nehmen anfangs gerne gequollene Saaten, da sie besser geschält und leichter verdaut werden können. Leider muss hier darauf hingewiesen werden, dass hierbei die Schimmelbildung eine Gefahr sein kann. Besonders gelbe Kolbenhirse wird von Vogelkindern gerne als Einstiegsfutter genommen. Futtersaaten sind beim Beginn der Selbständigkeit erst einmal zum Spielen da bevor sie dann als Nahrung dienen können. Denn Körner zu enthülsen will gelernt sein und Obst muss man auch erst mal kennen lernen. Hierbei tun sich Vögel, die als Geschwister aufwachsen, leichter, weil einer vom anderen lernt. Um die Vogelkinder zu entwöhnen, kann man mit Brei von z.B. Äpfeln oder Bananen nachhelfen. Hierbei muss man die Breimenge des Handaufzuchtfutters verringern. Bei der Entwöhnungsphase muss man sehr genau auf das Gewicht der Jungvögel achten. Durch Flugübungen und die vermehrte Bewegung ist allerdings eine Gewichtsreduzierung normal.
Bei der Handaufzucht ist auch auf die Temperatur zu achten. Nicht immer muss hierbei ein Brutgerät eingesetzt werden.
Je nach Alter der Vögel sollte sie langsam auf die normale Zimmertemperatur angeglichen werden.
Je jünger die Vögel sind, um so höher muss die Temperatur gehalten werden. Die Luftfeuchtigkeit sollte um die 60% betragen. Anzumerken ist auch noch, wenn ein Tier allein zur Handaufzucht kommt, sollte ein besonderes Augenmerk auf die Sozialisation gelegt werden. Hierbei können artgleiche Tiere eine große Hilfe sein.
Man muss bei der verwendenten Handaufzuchtfuttersorte gut auf die Zusammensetzung achten, denn sonst kann es böse Überraschungen geben.
Auf dem Buchmarkt gibt es mittlerweile einige Bücher, die sich mit dem Thema Handaufzucht beschäftigen, sie können zur Veranschaulichung und bei der Klärung mancher Fragen eine Stütze sein.

Naturbrut:

Die Naturbrut ist die natürliche Form der Jungenaufzucht von Papageien bzw. auch anderen Vögeln.

Weil viele Menschen zahme Schmusevögel wollen, kommen immer mehr Züchter dem Wunsch nach und nehmen dem züchtenden Papageienpaar die Jungen weg, bzw. schon die Eier.
Besonders bei der Handaufzucht ab dem Ei verliert der Jungvogel die normale Entwicklung und auch die Sozialisation ist schwierig. Zu früh begonnene Handaufzuchten sollen auch zu einer vermehrten Anfälligkeit der Vögel für Krankheiten führen.
Handaufzucht ab dem Ei ist aus meiner Sicht mit so vielen Negativpunkten belegt, dass ich davon abrate.

Was versteht man unter Naturbrut?
Die Naturbrut ist die natürliche Aufzucht von Jungvögeln durch die Eltern. Hierbei spielt auch das gemeinsame Aufwachsen mit den Geschwistern für die spätere Sozialisation eine große Rolle.

Wenn es keine Probleme bei der Aufzucht gibt, ist die Naturbrut der Handaufzucht vorzuziehen, wobei hier angemerkt werden muss, dass es bei der Handaufzucht auf das WIE ankommt.

Vögel, die natürlich durch die Eltern aufgezogen werden, haben meist keine Probleme, wenn sie selber Junge aufziehen. Auch findet bei der Naturbrut eine natürliche Selektion von kranken und schwachen Tieren statt. Dies ist aus meiner Sicht wichtig, um auf lange Sicht einen gesunden, robusten Bestand bei den Züchtern zu erhalten und den Entnahmen von Wildvögeln entgegen zu wirken bzw. sie ganz zu unterlassen.

Von vielen wird das Thema Handaufzucht und Naturbrut sehr kontrovers diskutiert. Ich bin der Meinung, dass es bei beiden Arten der Aufzucht zu Mängeln und Problemen kommen kann, aber auch beide ihre Daseinsberechtigung haben.

Jeder, der sich Vögel anschafft, sollte nicht nur einen Schmusevogel wollen, sondern den Bedürfnissen des Tieres nach Partnerschaft und Sozialleben nachkommen.

Naturbruten können mit viel Liebe, Zuwendung und Geduld genauso zahm werden wie Handaufzuchten. Wichtig hierfür ist der Zeitfaktor, d.h., der Vogel sollte nicht zu alt sein, und man sollte ihm die Zeit lassen, Vertrauen zum Menschen aufzubauen.
Ebenso können Handaufzuchten wieder “verwildern”, wenn sie lange in einem Schwarm integriert sind und der Mensch sich so zurückzieht, dass der Vogel nur noch Kontakte zu anderen Vögeln aufbauen kann.
Jeder sollte selber entscheiden, wie er die Jungen aufziehen lässt. Allerdings sollten finanzielle Gründe hierbei keine Rolle spielen.

Es sei an dieser Stelle aber auch für alle Interessierten hingewiesen, nicht nur Handaufzuchten werden zahm, auch Naturbruten können sehr liebenswerte Hausgenossen werden. Sie haben manchmal weniger Probleme mit der Phase der Geschlechtsreife und kommen mit ihrer Rolle als Vogel besser klar, neigen oft nicht so sehr zur Eifersucht und sind, einmal gut eingewöhnt, genauso händelbar wie zahme Handaufzuchten.

Man sollte bedenken, mit der Nachfrage an Handaufzuchten vergrößert sich auch das Angebot und der eine oder andere Züchter zieht dann auch Vögel auf, die von den Vogeleltern ohne Probleme aufgezogen worden wären.
Manche Züchter machen sogar nur noch Handaufzuchten, weil sie keinerlei Nachfragen für Naturbruten haben und das ist eine Entwicklung, die zu denken geben sollte.

Wer Interesse an einer Handaufzucht hat, sollte sich genau informieren, warum sie durchgeführt wurde und wie sie ablief.
Dann kann eine gute Entscheidung getroffen werden.
Als Abschluss möchte ich auf die
Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien hinweisen, hier steht der Satz:

Jungvögel sollten so aufgezogen werden, daß sie artgeprägt sind.”

In diesem Sinne sollten die Vögel aufwachsen können und das soll das Ziel eines von in Menschenobhut groß gewordenen Vogels sein, egal ob Handaufzucht oder Naturbrut.



Im Januar 2006 hat der TVT diese Meldung veröffentlicht:
Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz - Pressemeldungen

Arbeitskreis 8 (Zoofachhandel und Heimtierhaltung) Pressemitteilung

Handaufzucht bei Papageien- TVT nimmt aus Tierschutzsicht Stellung zu einem immer häufiger angewandten Aufzuchtverfahren

Die Handaufzucht von Papageien, vor allem von Großpapageien wie Graupapageien, Kakadus oder Aras kommt immer mehr in Mode. Nicht nur in Notfällen, sondern zielgerichtet werden dazu von den Züchtern die Nestlinge aus der Bruthöhle entnommen und von Hand aufgezogen. Damit soll erreicht werden, daß die Vögel frühzeitig an den Menschen gewöhnt werden, um diese als bereits zahme Tiere an ihre späteren Halter verkaufen zu können. Diese Methode kann jedoch mit mancherlei negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Sozialverhalten der Vögel verbunden sein. Daher hat der Arbeitskreis "Zoofachhandel und Heimtierhaltung" der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) dieses Thema aufgegriffen und eine Stellungnahme zu den verschiedenen Aufzuchtverfahren erarbeitet.

Handaufzuchten werden von privaten und professionellen Züchtern durchgeführt, um den späteren Haltern Vögel anzubieten, die bereits vollständig an das Leben in menschlicher Gemeinschaft angepaßt sind. Es wird dadurch zugleich ein größerer Kaufanreiz geboten, was durch das Anpreisen dieser Vögel mit Attributen wie beispielsweise "superzahm" oder "Papageien-Babys" noch unterstrichen wird. Die Käufer zahlen den damit verbundenen höheren Kaufpreis gerne, nicht zuletzt in der Erwartung, daß sowohl den Vögeln, als auch ihnen selbst viel Streß bei der Eingewöhnung erspart bleibt.

Dennoch ist die Handaufzucht aus Tierschutzgründen nicht unproblematisch. Je nach Aufzuchtverfahren und bei unzureichender Erfahrung der Pfleger können die Jungvögel bei der Aufzucht mit künstlichen Hilfsmitteln Verletzungen davontragen oder aufgrund ungeeigneten Futters erkranken. Vor allem aber ist oft eine auf die eigene Art ausgerichtete Sozialisation nicht gewährleistet. Viele dieser Papageien sind fehlgeprägt und zeigen zeitlebens Verhaltensstörungen. Diese können sich in der sexuellen Fixierung auf den Menschen äußern, der jedoch einen Vogelpartner nicht ersetzen kann. Die ständige Frustration des Vogels kann dann bis zu Agressionen gegenüber dem Halter, aber auch zu Federrupfern und Selbstverstümmelungen führen. Vögel, die sich trotzdem noch verpaaren lassen, sind oft unfähig, die eigenen Jungen großzuziehen.

Die Stellungnahme der TVT setzt sich mit den grundsätzlichen Problemen bei der Handaufzucht auseinander; sie vergleicht die verschiedenen Aufzuchtverfahren und -techniken unter tierschutzrelevanten Aspekten und stellt eine Bewertung an. Die Handaufzucht setzt große Erfahrung und ausgeklügeltes Management voraus und schließt auch das Aufwachsen der Jungvögel in Gesellschaft von Artgenossen mit ein - Bedingungen, die von vielen Züchtern nicht erfüllt werden können.

Die Naturbrut, d.h. die Aufzucht bis zum Selbständigwerden durch die Elternvögel, wird den arteigenen Ansprüchen der Vögel am ehesten gerecht. Daher ist ihr immer der Vorzug zu geben.

Die TVT möchte mit dieser Stellungnahme Züchter und Käufer auf die Probleme bei der Handaufzucht aufmerksam machen, die mit diesem Aufzuchtverfahren einhergehen können. Den Amtstierärzten soll eine Richtschnur an die Hand gegeben werden, die ihnen hilft, solche Zuchten zu beurteilen. Die Stellungnahme kann auf der Homepage der TVT
eingesehen und von dort auch als PDF-Datei heruntergeladen werden. Siehe unten.

Stellungnahme:

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V.
Stellungnahme zur Handaufzucht bei Papageien
Vorsitzende des Arbeitskreises
Frau Dr. Silvia Blahak, Lilienthalstr. 15, 32791 Lage-Hörste, 11. Januar 2006
1. Einleitung
Viele Papageienarten können heute gut in Volierenhaltung nachgezüchtet werden. Diese Nachzuchten sind grundsätzlich zu begrüßen, da dadurch die Zahl der Wildtierimporte vermindert wird. Die Jungvögel werden entweder als Naturbruten durch ihre Eltern oder durch die Züchter mittels Handfütterung aufgezogen. In den letzten Jahren erfreuen sich Handaufzuchten von Papageien zunehmender Beliebtheit, da der Käufer Wert auf einen von Anfang an zahmen Papagei legt und handaufgezogene Vögel durch denständigen Menschenkontakt bereits kurz nach dem Schlupf keine Scheu mehr vor dem Menschen zeigen. Solche Vögel können so zahm sein, dass Handling oder sogar tierärztliche Maßnahmen ohne sichtbaren Stress toleriert werden. Handaufzuchten sind für die Züchter sehr interessant, da solche Papageien höhere Preise erzielen als Naturbruten oder Wildfänge. Da die Handaufzucht viele Problemen mit sich bringen kann, stellt sich die Frage, wie sie aus der Sicht des Tierschutzes zu beurteilen ist.  

2. Natürlicher Ablauf des Brutpflegeverhaltens
Die meisten Papageienarten legen ihre Eier im Abstand von zwei bis fünf Tagen; die Eier werden sofort bebrütet, so dass die Küken nacheinander schlüpfen. Die Elternvögel unterstützen den Schlupfvorgang oft aktiv. Große Aras haben pro Gelege ein bis drei Eier, Graupapageien und Amazonen zwei bis fünf Eier. Die meisten Papageien sind Höhlenbrüter. Schon in den ersten Stunden nach dem Schlupf fangen beide Elternvögel an, die Jungtiere zu füttern. In den ersten Tagen befindet sich fast immer ein Elternvogel bei den Küken . Die Jungen werden zunächst aus dem Drüsenmagen und später aus dem Kropf gefüttert. Dadurch werden neben dem angedauten Futter auch Enzyme weitergegeben. Die Elternvögel füttern in den Schnabel der Küken, die aktiv den Futterbrei abschlucken (Rüttelbewegung). Sobald der Kropf des Kükens wieder leer ist, erfolgt eine erneute Fütterung. Als Auslöser dienen wahrscheinlich besondere Bettellaute der Jungvögel. Mit zunehmender Entwicklung des Gefieders helfen die Elterntiere den Jungvögeln, die Federscheiden zu öffnen. Nachdem die Augen geöffnet sind, werden die Küken auf die Elternvögel geprägt. Die Jungvögel erlernen von den Altvögeln Verhaltensweisen aus den Funktionskreisen Nahrungserwerbs-, Sozial- und Fortpflanzungsverhalten. Die Zeitspanne vom Schlupf bis zum Flüggewerden und zum Beginn der selbständigen Futteraufnahme beträgt bei den meisten Arten 12 bis 14 Wochen, bei großen Aras sieben bis acht Monate. Bis die Jungvögel vollkommen selbständig sind, vergehen weitere drei (Graupapagei) bis 15 Monate (Ara). Wichtige Prägungsphasen finden in der Nisthöhle nach dem Öffnen der Augen sowie später bei den Jungvögeln im Schwarm statt.

3. Gründe für die Handaufzucht
Der wichtigste Grund für die Handaufzucht ist jedoch die frühe Gewöhnung an den Menschen, um zahme, zu einem hohen Preis verkäufliche Stubenvögel zu erhalten. Als weiteren Grund, einen Vogel von Hand aufzuziehen, wird oft vorgebracht, dass die Elterntiere ihren Nachwuchs nicht füttern, rupfen, verstümmeln oder sogar töten. Solche Verhaltensweisen sind jedoch oft die Folge von Störungen bei der Aufzucht. Insbesondere männliche adulte Kakadus gelten als zeitweilig sehr aggressiv und greifen ihre Partnerin plötzlich heftig an, wenn nicht genügend Sichtschutz in der Voliere vorhanden ist oder sie sich bei Gemeinschaftshaltung oder durch andere Faktoren gestört fühlen. Es kommt auch vor, dass einer der Elternvögel stirbt oder erkrankt, wodurch der Bruterfolg gefährdet wird. Von vielen Züchtern werden eines oder zwei Gelege aus dem Nest genommen und die Jungen per Hand aufgezogen, um weitere Nachgelege zu produzieren und damit eine größere Jungtierzahl pro Paar und Brutsaison zu erhalten. Dieses Verfahren wird in seltenen Fällen auch zur Arterhaltung angewandt.

4. Verfahren der Handaufzucht
Viele Züchter brüten die Eier in Inkubatoren aus, andere entnehmen die Jungvögel mehr oder weniger bald nach dem Schlupf aus dem Nest. Werden die Küken schon vor dem Öffnen der Augen aus dem Nest entnommen, betrachten sie später den Menschen nicht als fremdes Wesen, was für ihre Verwendung als Stubenvogel als großer Vorteil angesehen wird. Bei der weiteren Aufzucht werden verschiedene Verfahren angewendet, wobei Mischformen möglich sind.

4. 1. Aufzucht in einer Gruppe gleichaltriger Vögel derselben Art
Der Vogel wird in einer Gruppe gleichaltriger Vögel derselben Art aufgezogen. Dabei variiert die Dauer des Kontaktes zum menschlichen Pfleger; oft ist in professionellen Zuchten der Kontakt nur kurz. Der Papagei wird nach dem Flüggewerden in der Gruppe mit Artgenossen gehalten und eigenständig und futterfest abgegeben.

4. 2. Aufzucht in einer Gruppe von Papageien verschiedenen Alters und verschiedener Arten
Der Vogel wird in einer Gruppe mit Papageien verschiedenen Alters und verschiedener Arten aufgezogen, der Kontakt zum Menschen ist von kurzer Dauer. Der Papagei wird eigenständig und futterfest abgegeben.

4.3. Aufzucht als Einzelvogel durch den Züchter
Der Vogel wird als Einzelvogel vom Züchter aufgezogen, der Menschenkontakt ist intensiv und ausgedehnt. Der Papagei wird eigenständig und futterfest abgegeben.

4.4. Aufzucht als Einzelvogel durch Züchter und Halter
Der Vogel wird zunächst als Einzelvogel vom Züchter aufgezogen. Die letzte Phase der Handaufzucht übernimmt der zukünftige Halter, der in der Regel keine Erfahrung mit der Aufzucht von Papageien hat.

5. Fütterungstechnik
Verfahren zur Handaufzucht lassen sich auch nach der Art der angewendeten Fütterungstechnik unterscheiden. Im Folgenden werden die verschiedenen Techniken mit Vor- und Nachteilen kurz vorgestellt:

5.1. Fütterung mit dem Löffel
Vorteile:
- aktives Rütteln am Löffel ähnelt der Fütterung durch die Elterntiere
- das Küken muss aktiv schlucken
- einfache Reinigung und Desinfektion des Löffels

Nachteile:
- Gefiederverschmutzung
- lange Fütterungsdauer/hoher Zeitaufwand
- aufgenommene Futtermenge nicht genau messbar.


5.2. Fütterung mit einer Spritze oder Pipette
Vorteile:
- das Küken muss aktiv schlucken
- schnell und einfach durchführbar
- Futtermenge genau zu bestimmen

Nachteile:
- grobe Futterbestandteile können durch Aufquellen die Spritze verstopfen
- die Reinigung und Desinfektion ist aufwendiger bzw. teuer (Einmalspritzen)
- Gefahr der Aspiration von Futter


5.3. Fütterung mit einer Kropfsonde oder einem Schlauch
Vorteile:
- zeitsparende Methode
- messgenau

Nachteile:
- kein aktives Schlucken
- Erstickungsgefahr/Aspirationsgefahr
- Kropfverletzungen bis hin zu Perforationen möglich
- Kropfverbrennungen möglich
- Abbeißen des Fütterungsschlauches möglich
- aufwändige Reinigung und Desinfektion


6. Probleme bei der Handaufzucht
Die Entnahme von Eiern und vor allem von Küken stellt für die Elternvögel einen erheblichen Stress dar. Der wiederholte Abbruch des Brutvorgangs kann zu Störungen der Paarbindung sowie zur physischen Schwächung des Weibchens durch Nachgelege führen. Für die Küken ist die Handaufzucht mit einer ganzen Reihe von Problemen verbunden, die teils durch die Fütterungstechnik, vor allem aber auch durch die Art der Aufzucht durch „artfremde Eltern“ bedingt werden.

6.1. Probleme durch Futter und Fütterungstechnik
Mittlerweile werden spezielle Futter für die Handaufzucht verschiedener Arten angeboten, denen spezifische Lactobazillen und Enzyme zugesetzt wurden. Dennoch fehlt diesen Spezialfuttern weitgehend die typische Mikroflora, die bei der natürlichen Aufzucht von den Elterntieren beim Füttern den Jungtieren weitergegeben wird. Handaufgezogene Jungvögel sind daher krankheitsanfälliger. Bei der Verwendung von Spritze und Kropfsonde bzw. Schlauch kann es zum Abbeißen und Verschlucken von Plastikteilen des Schlauches, zu einer Aspiration von Futterbestandteilen, Kropfverletzungen bis hin zur Perforation und Verbrennungen der Kropfschleimhaut bei Gabe zu heißen Futters kommen. Bei allen Verfahren besteht die Gefahr einer hohen Keimbelastung des Futters, falls nicht strengste Hygiene gewahrt wird. Bei der Fütterung mit der Kropfsonde wurde bei Graupapageien in einer Studie erhöhte Aggressivität, ein schlechterer Gesundheitszustand und vermehrtes Schreien festgestellt. Wesentlich sind Sachkunde und praktische Erfahrung des Pflegers. Ungeübte Halter geben das Futter oft zu heiß, was zu Kropfverbrennungen führen kann. Durch ungeschicktes Hantieren können Kropfverletzungen verursacht werden oder das Futter gelangt unter Umständen in die Luftröhre statt in den Kropf, was Futteraspirationen zur Folge hat. Bei unzureichender Hygiene können Kropfinfektionen entstehen. Eine besonders kritische Phase ist die Umstellung der Küken auf das Nahrungsspektrum erwachsener Vögel während der Entwöhnungsphase. Hier sind Fachwissen und Fingerspitzengefühl des Pflegers besonders gefragt.

6.2. Probleme durch Störungen der Verhaltensentwicklung
Gravierender für den betroffenen Vogel sind jedoch Probleme, die durch Störungen der Verhaltensentwicklung entstehen. Dabei sind verschiedene Verhaltenskreise betroffen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Studien, die diese Störungen wissenschaftlich belegen. 6.2.1. Sozialverhalten und Fortpflanzungsverhalten  Vögel, die mit den unter 4.3 und 4.4 beschriebenen Methoden ohne Kontakt zu Artgenossen oder anderen Papageien aufgezogen werden, sind im Allgemeinen extrem zahm, da sie sozial und sexuell auf den Menschen geprägt sind . Allerdings geraten sie, meist mit Eintritt der Geschlechtsreife nach zwei bis sechs Jahren, in Widerspruch zu ihrem ererbten Verhaltensinventar. Der Partner Mensch reagiert nicht  so, wie es ein Vogelpartner tun würde. Er kann auch die erforderliche Zeit nicht aufbringen, um das Sozialbedürfnis des Vogels zu genügen. Das führt zu andauernder Frustration und Triebstau. Manche Arten wie z.B. Amazonen oder Graupapageien zeigen dem Menschen gegenüber, vor dem sie keine Scheu haben, sehr häufig Aggressivität und/oder ein übersteigertes Sexualverhalten (Droh- und Imponierverhalten, Flug- und Beißattacken, Kopulationsversuche). Gleichzeitig sind handaufgezogene Papageien im Allgemeinen selektiver gegenüber Menschen als Naturbruten, d.h. sie entwickeln eine übermäßig starke Beziehung zu bestimmten Personen. Dies führt regelmäßig zu großen Problemen, wenn diese Bezugsperson wegen Erkrankung, Todesfall oder sonstiger Änderung der Lebensumstände nicht mehr zur Verfügung steht. Auch vermehrtes Schreien wird beschrieben. Ohne Kontakt zu Artgenossen aufgezogene Papageien haben keine Möglichkeit, das arteigene Lautäußerungsrepertoire zu erlernen, das die Küken sich normalerweise von den Eltern aneignen. Eine Vergesellschaftung solcher Vögel mit Artgenossen ist aufgrund der Fehlprägung nur selten möglich, da die Tiere nicht mehr in der Lage sind, Papageien der gleichen Art oder andere Papageienvögel als Partner zu akzeptieren. Mehrere Studien belegen, dass isoliert handaufgezogene Papageien, sofern sie überhaupt noch verpaart werden können, oft nicht zu einer Versorgung der Jungtiere in der Lage sind oder den eigenen Nachwuchs sogar töten. Eine artgemäße Fortpflanzung solcher Tiere ist daher in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Die Aufzucht in der Gruppe (4.1 und 4.2) ermöglicht dem Vogel eine Prägung auf andere Vögel. Allerdings können auch hier verhaltensbedingte Probleme entstehen, wenn die Küken mit andersartigen Papageien aufgezogen werden und Teile von deren Verhaltensinventar übernehmen bzw. auf Angehörige der anderen Art sexuell fehlgeprägt werden. Solche Vögel lassen sich in der Regel nicht mehr mit Artgenossen verpaaren. Bei der Erhaltungszucht besonders bedrohter Arten kann dies zu einem Ausfall wertvoller potentieller Zuchttiere führen. Ist jedoch eine Prägung auf Vögel derselben Art möglich und wird der Jungvogel nach dem Zeitpunkt des Flüggewerdens in einer Gruppe gleichartiger Vögel gehalten, kann der Vogel ein normales Sozialverhalten entwickeln und zeigt gleichzeitig dem Menschen gegenüber wenig Scheu. Hier ist durch das Fehlen der Eltern ebenfalls mit Verhaltensdefiziten zu rechnen, wenn auch in geringerer Ausprägung. Um Verhaltensdefizite möglichst gering zu halten, ist es hilfreich, ältere Papageien derselben Art dazu zu gesellen.

6.2.2 Komfortverhalten, Bewegungsverhalten und Nahrungserwerbsverhalten
Störungen in den Funktionskreisen Sozial- und Fortpflanzungsverhalten können sich in gestörtem Komfort- und Bewegungsverhalten äußern. Die betroffenen Papageien pflegen ihr Gefieder oft entweder unzureichend oder zu intensiv. Dies kann zu Federbeißen, Federfressen, Federrupfen bis hin zur Automutilation (Selbstverstümmelung) führen. Besonders bei Vögeln, die ihren Eltern früh weggenommen werden, werden Bewegungsstereotypien beschrieben. Teile des Flugverhaltens und des Nahrungserwerbsverhalten (Futterauswahl, Manipulation von Futtermitteln) werden am Vorbild älterer Artgenossen erlernt, so dass isoliert handaufgezogene Tiere auch hier oft Defizite aufweisen.

7. Tierschutzrechtliche Beurteilung
Im Zusammenhang mit der Handaufzucht sind insbesondere die § 1, 2 und 3 des Tierschutzgesetzes heranzuziehen. Nach § 1 darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Fütterungstechniken, die beispielsweise zu Kropfverletzungen, Kropfinfektionen oder Futteraspiration führen, sind als Verstöße gegen dieses Gebot zu werten. Nach § 2 des Tierschutzgesetzes muss, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Die beschriebenen Störungen der Verhaltensentwicklung sind als Leiden im Sinne des Tierschutzgesetzes zu bewerten. Leiden sind alle nicht bereits vom Begriff des Schmerzes umfassten Beeinträchtigungen des Wohlbefindens. Verhaltensstörungen sind wesentliche Indikatoren für Leiden. Bei Papageien sind dies besonders Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Schreien und Bewegungsstereotypien. Bei den meisten isoliert handaufgezogenen Papageien sind diese Verhaltensstörungen derart ausgeprägt, dass eine den Anforderungen des § 2 entsprechende Haltung nicht mehr möglich ist. Dies stellt eine nach Art, Intensität und Dauer so gewichtige Beeinträchtigung des Wohlbefindens dar, dass bei diesen Tieren von länger andauernden, meist lebenslangen erheblichen Leiden auszugehen ist. Tierschutzrechtlich ist unter Schaden jede Verschlechterung des physischen oder psychischen Zustands eines Tieres zu verstehen. Die bei den fraglichen Papageien vorliegenden Verhaltensstörungen erfüllen in der Regel diese Definition. Federrupfen und Automutilation können zu weiteren körperlichen Schäden führen. § 3 des Tierschutzgesetzes verbietet es, einem Tier unter Anwendung von Zwang Futter einzuverleiben, sofern dies nicht aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Gegen dieses Verbot wird bei routinemäßiger Sondenfütterung verstoßen. Außerdem ist es verboten, einem Tier Futter zu verabreichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet. Gegen dieses Verbot wird bei nicht sachgemäßer Handaufzucht verstoßen (z.B. durch zu heißes Futter oder verdorbenes Futter). Allgemein wird die Handaufzucht in der Fachliteratur aus Tierschutzsicht abgelehnt, wobei allerdings oft nicht zwischen den Verfahren differenziert wird. Im Gutachten des BMVEL über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien (1995) wird gefordert, dass Jungvögel so aufgezogen werden sollten, dass sie artgeprägt sind. Eines der Differenzprotokolle zu diesem Gutachten fordert, dass Handaufzucht und Kunstbrut nur bei Jungvögeln durchgeführt werden dürfen, die von ihren Eltern nicht erfolgreich aufgezogen werden. In der Tierhaltungsverordnung der Republik Österreich vom 17.12.2004 wird gefordert, dass Jungvögel so aufgezogen werden müssen, dass sie artgeprägt sind. Handaufzuchten dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen. Künstliche Handaufzuchten aus kommerziellen Gründen sind verboten. Nach Auffassung des Arbeitskreises „Zoofachhandel und Heimtierhaltung“der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz müssen die verschiedenen Aufzuchtmethoden differenziert betrachtet werden. Von allen Aufzuchtmethoden ist die Naturbrutam vogelgerechtesten. Sie ist die einzige Methode, mit der sichergestellt wird, dass die Jungvögel alle arttypischen Verhaltensweisen von den Eltern und Geschwistern erlernen können. Eine Menschengewöhnung der Jungvögel kann in diesem Fall durch häufigen sachkundigen Umgang mit den Elterntieren und den Jungvögeln erreicht werden. Der Naturbrut ist daher grundsätzlich der Vorzug zu geben. Für handaufgezogene Vögel sind Handling und Pflegemaßnahmen mit weniger Stress verbunden. Die derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Handaufzucht in einer Gruppe gleichartiger und gleichaltriger Vögel mit möglichst wenig Menschenkontakt (4.1) tiergerecht sein kann. Voraussetzung ist, dass die Pfleger erfahren im Umgang mit Papageien sind und tiergerechte Aufzuchtbedingungen anbieten. Dazu gehören geeignete abgedunkelte Aufzuchtboxen mit dauerhafter relativer Luftfeuchte über 60%, spezielles Futter, das in vogelspezifischer Frequenz und mit der richtigen Fütterungstechnik (Löffel oder Spritze) gegeben wird, sorgfältiger Umgang mit den Vögeln sowie die Möglichkeit zu artgerechter Bewegung mit gleichaltrigen und möglichst auch älteren Artgenossen im Schwarm in Volieren nach dem Flüggewerden. In dieser Zeit müssen die Tiere auch Erfahrungen mit möglichst vielen Futtersorten sammeln können. Voraussetzung ist hier eine entsprechende Größe des Zuchtbestandes. Die Jungvögel müssen je nach Art ausreichend lange (z. B. Graupapagei mindestens 5 Wochen) bei den Elternvögeln verbleiben, bevor sie in die Handaufzucht überführt werden. Die Abgabe von Jungvögeln muss ebenfalls abhängig von der Art erfolgen. Das früheste Abgabealter liegt z.B. bei Graupapageien bei 6 Monaten, bei Kakadus bei 8 Monaten und bei Aras bei ca. 18 Monaten. Bei der Handaufzucht in einer Gruppe mit Papageien anderer Arten (4.2) besteht, wie bereits ausgeführt, die Gefahr einer sexuellen Fehlprägung, die eine spätere Verpaarung der Vögel unmöglich macht. Diese Methode sollte daher nur in Notfällen zum Einsatz kommen, wenn keine Gruppe gleichartiger und gleichaltriger Vögel gefunden werden kann. Eine solche Notsituation kann vorliegen, wenn z.B. Elternvögel sterben oder ihren Nachwuchs vernachlässigen oder verletzen. Es ist in jedem Fall kritisch zu prüfen, ob die Notsituation nicht durch ständige Störungen der Eltern oder ungünstige Haltungsumstände vom Züchter selbst verschuldet wurde. Wenn diese Form der Handaufzucht durchgeführt wird, müssen die betroffenen Küken so schnell wie möglich mit Artgenossen vergesellschaftet werden. Die isolierte Handaufzucht (4.3 und 4.4) ist aus Tierschutzsicht strikt abzulehnen. Hier wird zu Lasten des Vogels versucht, ein Tier dem Menschen anzupassen. Nach Auffassung des Arbeitskreises „Zoofachhandel und Heimtierhaltung“ der TVT sind ökonomische Aspekte oder der Wunsch nach einem „superzahmen“ Stubenvogel, der sich ausschließlich an den menschlichen Bedürfnissen orientiert, kein vernünftiger Grund, den Tieren erhebliche lebenslange Leiden zuzufügen.

Literatur
Buchholtz C (1999): Ergebnisse des Workshops der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung zum Thema Leiden. Nutztierhaltung 1

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien vom 10.01.1995
Gylstorff I, Grimm F (1987): Vogelkrankheiten. Ulmer-Verlag, Stuttgart
Hirt A, Maisack C, Moritz J: Tierschutzgesetz. Kommentar. Vahlen-Verlag 2003
Jordan R (1994): Handaufgezogene Papageien – Zucht oder Heimtiere? Verh III Internat Papageienkongress, Puerto de la Cruz, Teneriffa , 4 – 10
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Leider gibt es zu viele Leute, die mit dem Eigentum anderen so umgehen als ob es ihres wäre. Danke für das Verständnis